Der erste Talentpool in Cuxhaven war ein voller Erfolg.

„Damit die jungen Menschen uns nicht verlassen, müssen wir ihnen in unserer Region etwas bieten“, so Kai-Uwe Bielefeld, der Landrat des Landkreises Cuxhaven, in seiner Rede zur Abschlusspräsentation des ersten Cuxhavener Talentpools am 23. Januar 2019. „Wir haben einige verdienstvolle Firmen in der Region. Der Talentpool ist geeignet, um eine Schnittstelle zwischen Beruf und Schule herzustellen.“ Junge Menschen an die Region zu binden und damit auch dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken ist ebenfalls das Ziel von Thomas Lötsch, Leiter der Agentur für Wirtschaftsförderung aus dem Landkreis Cuxhaven und Beisitzer des Netzwerks. Die Zusammenarbeit mit dem Netzwerk schätzt er daher. „Als ich 2011 das erste Mal vom ‚Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft‘ hörte, war ich skeptisch“, erinnert er sich. „Es gibt viele Initiativen, aber die Kunst ist es, den Nagel auch in die Wand zu kriegen.“ Seit 2013 ist der Landkreis Cuxhaven Mitglied im Netzwerk und heute sagt Lötsch beeindruckt: „Alle Achtung, das sind viele Nägel in der Wand!“

Das Netzwerk und seine Aufgaben

Horst Lüdtke, Geschäftsführer des Netzwerks, stellte die breit gefächerte Arbeit des Netzwerks anhand einiger Beispielen vor, darunter das am Tag zuvor gestartete Projekt Ausbildungspaten, bei dem je ein lebenserfahrener Erwachsener einen Schüler der Ernst-Reuter-Schüler bei der Berufsfindung unterstützt. Das seit Herbst laufende Projekt mint:pink, bei dem Schülerinnen ihrem wissenschaftlichen Interesse in Firmen nachgehen und den Unterrichtsstoff so vertiefen können, wird zwar erst nach einem Jahr ausgewertet, doch die ersten Rückmeldungen sind bereits gut. Das Projekt Klimatörn, dem Nachhaltigkeitsworkshop für junge Auszubildende auf der ALEXANDER VON HUMBODLT II kam so gut bei den Teilnehmern an, dass diese das Schiff gar nicht wieder verlassen wollten. Nach dem Erfahrungsaustausch mit den Machern der Thüringer Kampagne „Macht eure Kinder stark“ ist ein weiter Ansatz für eine mögliches Projekt des Netzwerks gefunden, den der Talentpool ist ja nur ein Baustein der Gesamtarbeit des Netzwerks.

„Der Fachkräftemangel ist auch eine Chance für junge Leute“, stellt Claus Brüggemann fest, Gründungsmitglied des Netzwerks. Denn auch in unserer Region werden viele Arbeitskräfte gesucht, besonders im handwerklichen Bereich. „Das Netzwerk hat in den zehn Jahren seit der Gründung schon viele Schüler und Schülerinnen erreicht und es sind Mitglieder aus allen Bereichen vertreten: Firmen, Handelskammer, Landkreis, Stadt und Schulen“, fasst Brüggemann zusammen und äußert die Hoffnung, dass die Firmen, die am Talentpool teilgenommen haben, dies weitererzählen und damit andere Firmen zur Teilnahme anregen. „Wir sind immer dankbar für jede Firma, die den Schulterschluss sucht.“

Talentpool 2018

Für Wibke Ehlers, Personalleiterin bei BREB GmbH & Co.KG, ist bereits jetzt klar, dass die Firma auch nächstes Jahr wieder am Talentpool teilnehmen wird. „Ich hatte in der Zeitung davon gelesen und es sofort als Chance gesehen“, sagt sie. „Die Lehrer sagen immer noch ‚Geht studieren‘ zu den Schülern, aber eine Ausbildung ist eine gute Grundlage und bietet viele Möglichkeiten“, erklärt Ehlers. Aus ihrer Sicht sollten die Schulen besser über die Möglichkeiten in der Region informiert sein und informieren. „Gerade das Maritime ist oft nicht in den Köpfen der Leute, obwohl es doch so naheliegend ist.“ Die Gespräche mit den Schülern empfand sie gewinnbringender als ein Praktikum, in dem die Schüler oft nicht viel machen dürfen. „Außerdem war es ein Vorteil, dass der Talentpool in den Herbstferien stattfand. Dadurch kamen nur die interessierten Schüler.“
Jan Osterndorff (17) bestätigt das: „Einige Schüler wollten wegen der Ferien nicht, aber mir hat es viel gebracht.“ Zu Beginn des Talentpools hatte er nur die grobe Vorstellung, eventuell in den IT-Bereich gehen zu wollen. Auch seine Stärken und Schwächen seien ihm unklar gewesen, doch in den vier Tagen lernte er sich besser kennen. „Ich war ganz überrascht, dass der kaufmännische Bereich auch gut zu mir passt“, erzählt er. Für Schüler Marvin Mangels (17) hat sich am Berufswunsch (Informatik) nichts geändert, aber gelohnt hat sich der Talentpool auch für ihn: „Zum einen konnte ich prüfen, ob mir etwas anderes auch gut oder besser gefällt, zum anderen konnte ich Vorstellungsgespräche üben und mich mit der Rückmeldung der Firmen verbessern.“
Trainerin und Coach Katrin Stufler hat den Talentpool geleitet und ist begeistert über die engagierten Schüler. „Oft sehen sie gar nicht, dass sie jetzt schon toll sind, sondern bekommen eher zu hören, was sie nicht können“, bedauert sie, dabei müsse man seine Stärken kennen, um darauf aufbauen zu können. Doch auch ein Überblick über verschiedene Berufe ist wichtig, denn viele Jugendliche seien bei der Berufswahl nur vom familiären Umfeld beeinflusst, was die Auswahl sehr einschränkt.

Talentpool 2019

Eine Abschlussveranstaltung bietet immer auch die Möglichkeit zu fragen, was sich noch verbessern lässt. Firmen und Schüler waren sich einig: „Der Talentpool müsste besser beworben werden, damit mehr Teilnehmer das Projekt für sich nutzen können.“ Antje Streng, die Ansprechpartnerin für das Netzwerk im Landkreis, nahm dies als Fazit des gelungenen Talentpools mit. Wenn dazu noch die Teilnehmer über ihre Erfahrungen mit dem Talentpool berichten, wird er auch in Cuxhaven hoffentlich bald die Bekanntheit erreichen, die er in Bremerhaven schon hat.

Die Cuxhavener Nachrichten berichteten am 25.01.2019 über den Cuxhavener Talentpool unter dem Titel: „Wie finde ich den Beruf, der zu mir passt?“ Artikel öffnen

Text und Bilder von Janina Berger

Claus Brüggemann, erster Vorsitzender des Netzwerks

von links: Thomas Lötsch von der Agentur für Weiterbildung befragt Personalleiterin Wibke Ehlers und Auszubildenden Torben Weermann (beide BREB) sowie Talentpoolleiterin Katrin Stufler nach ihren Eindrücken.

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