Eine Patenschaft geht erfolgreich zu Ende

News vom 09.12.2020

Projektkoordinatorin Marion Oehmsen (links) und Schulleiterin Nicole Wind (rechts) danken Ausbildungspatin Sandra Rybicki für ihre erfolgreiche Arbeit.Projektkoordinatorin Marion Oehmsen (links) und Schulleiterin Nicole Wind (rechts) danken Ausbildungspatin Sandra Rybicki für ihre erfolgreiche Arbeit.

„Ich hatte nie gedacht, dass ich meine Abschlussprüfung schaffen werde und einen Ausbildungsplatz finde“, sagt Fatemeh Soltani. Doch dann erhielt die Schülerin der Schule am Ernst-Reuter-Platz (ERNST!) unerwartet Hilfe: Über das Projekt Ausbildungspaten lernte sie die Fischereiwissenschaftlerin Sandra Rybicki kennen.

Das Projekt Ausbildungspaten entstand in Zusammenarbeit der Schule ERNST! und unserem Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft. Arbeitserfahrene Menschen begleiten die Schüler und Schülerinnen in den letzten Jahren der Schulzeit, entwickeln gemeinsam mit ihnen eine berufliche Zukunft und unterstützen sie bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Im Sommer 2019 erfuhr Sandra Rybicki über einen Kollegen beim Thünen-Institut von unserem Projekt und meldete sich. Für Fatemeh Soltani ein echter Glücksfall.

Lernen, üben und reden

Ausbildungspatin Sandra Rybicki (mitte) feiert mit ihrer Patin Fatemeh Soltani (links) und Klassenkameradin Shngyül Lyubomirova (rechts) den erreichten Schulabschluss im Juli 2020.
Ausbildungspatin Sandra Rybicki (mitte) feiert mit ihrer Patin Fatemeh
Soltani (links) und Klassenkameradin Shngyül Lyubomirova (rechts)
den erreichten Schulabschluss im Juli 2020.

Zu dem Zeitpunkt machte Fatemeh Soltani oft nicht mal die Hausaufgaben, weil sie sie nicht verstand. Ihre Deutschkenntnisse waren nicht gut genug. Die beiden trafen sich ein Mal die Woche. „Ich bin aufmerksam geworden und habe versucht, mich zu verbessern“, erzählt Fatemeh Soltani. „Die Motivation war da“, bestätigt Sandra Rybicki und bedauert nur, dass sie nicht früher angefangen haben. (Deshalb beginnt die Zusammenarbeit für gewöhnlich ab der 8. Klasse.) Gemeinsam lernten sie den Schulstoff und das Pünktlichsein, schrieben Bewerbungen, übten Präsentationen und Vorstellungsgespräche oder redeten einfach über das, was Fatemeh Soltani belastete. Ihre Deutschkenntnisse wurde besser, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nahmen so sehr zu, dass sie nun selbst bemerkt, wenn andere in dem Bereich Schwierigkeiten haben. All die gemeinsamen Bemühungen führten zum Erfolg! Fatemeh Soltani bestand nicht nur ihre Abschlussprüfung, sondern ist seit Sommer in Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Große Schritte für jemanden, der ein Jahr zuvor noch keine berufliche Zukunft gesehen hat.

Ausbildungspatenschaften
zur Coronazeit

Gut zehn Patenschaften werden auch während der coronabedingten Kontaktbeschränkung weitergeführt, auch wenn die Besuche der Paten und Patinnen im Unterricht derzeit wegfallen. WhatsApp, Skype und das Telefon ermöglichen regelmäßige Kontakte und werden fleißig genutzt, um gemeinsam weiter an der Zukunft der Schüler und Schülerinnen zu arbeiten. „Die bestehenden Bindungen sind entsprechend stabil“, berichtet Marion Oehmsen, die das Projekt Ausbildungspaten für unser Netzwerk betreut. Und im Jahr 2021 können wieder neue Bindungen und Patenschaften aufgebaut werden.

Zukunftswege

 „Was ich jetzt geschafft habe, ist wegen Sandra und ich bin unfassbar dankbar“, sagt Fatemeh Soltani und Sandra Rybicki antwortet: „Im Endeffekt hast du dich da selbst durchgekämpft, ich habe nur Hilfestellung gegeben.“ Gemeinsam haben die beiden Großes geleistet und eine berufliche Zukunft möglich gemacht! Jetzt zieht Sandra Rybicki nach Island, denn ihre Doktorarbeit zur Erforschung der Zukunft der Fischer ist abgeschlossen und nun möchte sie in Island den Bachelor in maritimen Wissenschaften machen. Und Fatemeh Soltani wird Zahnarzthelferin.

Unser Netzwerk wünscht beiden viel Erfolg für ihren Lebensweg! 

 

Ausbildungspaten gesucht!

Eins ist Fatemeh Soltani noch wichtig: „Es ist schade, dass es nicht mehr Leute gibt, die freiwillig den Schülern und Schülerinnen helfen.“ Denn wie bei ihr kann man damit einem jungen Menschen den Start in das Berufsleben ermöglichen. 

„Lehrerin muss man dafür nicht sein“, erklärt Sandra Rybicki. „Man muss zuhören können und offen sein. Es geht darum, gemeinsam Lösungswege zu erarbeiten. Man darf es nicht so ernst nehmen, wenn dann doch mal eine 6 kommt. Manchmal muss man die Motivation erst hervorholen, denn man darf nicht vergessen, dass diese Jugendlichen oft schon einen Riesenrucksack voller Probleme mit sich herumtragen. Da stand die Schule verständlicher Weise nicht immer im Leben an erster Stelle. “ Umso wichtiger, ihnen jetzt beiseite zu stehen und ihnen so ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, in dem sie selbst dafür Sorge tragen können, dass es ihnen gut geht. 

Wenn Sie Interesse an einer Ausbildungspatenschaft haben, können Sie sich bei Schulleiterin Nicole Wind melden:
0471 / 30 94 93-0 oder nicole.wind@dieernst.de

 

Text Janina Berger, Fotos von privat

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